Grüß Gott!

Foto (c) R.Schulz

Grüß Gott und herzlich willkommen auf unserer Homepage!

St. Markus hat viele Gesichter und Menschen, die das Gemeindeleben mitgestalten. Diese Gemeinde mitten im Herzen von München bietet eine große Vielfalt an Begegnungen und Erfahrungen. Dabei gibt es vieles aus dem Leben unserer Kirche zu erzählen. Einmal im Monat stellt sich an dieser Stelle eine Person aus unserem großen Markus-Team mit ihren ganz persönlichen Eindrücken vor.

Link zu den gesammelten Texten.

  


 

Ein kleines Mädchen springt auf, mit entsetztem Gesicht, läuft in die Mitte der Kirche, zupft den wild gestikulierenden Erwachsenen am Ärmel und ruft erschrocken: „Papaaa! Was machst du da? Warum redest du nicht???“ Marie kann sich gar nicht mehr beruhigen. Sie hat Angst um ihren Papa. 

Ja, eindrücklich war sie schon, diese Szene. Eben noch hatte der stumm gewordene Priester Zacharias die Menschenmenge vor dem Tempel segnen wollen. Hatte dann versucht, seiner Frau zu erklären, was geschehen war. Beides ohne Worte, nur mit Zeichen und Gesten. Man spürte die Spannung, es drängte ihn, er wollte etwas sagen, unbedingt! – es ging nicht. Kein Wort kam aus seinem Mund. Keine Frage, dass es Marie Angst gemacht hat, ihren Papa so zu sehen!

WolkenengelZacharias hat es die Sprache verschlagen. Er hatte nicht glauben wollen, dass seine hochbetagte Frau Elisabeth und er doch noch das lange ersehnte Kind bekommen sollten. „Woran soll ich merken, dass das stimmt?“, hatte er den Engel gefragt, der ihm im Tempel dieses Wunder ankündigte. „Du wirst stumm sein, bis es geschieht“, war die Antwort des Engels gewesen. Und so kam es: Zacharias blieb stumm, bis sein Sohn geboren war. Er musste eine Tafel nehmen, um den Namen seines Kindes darauf zu schreiben: „Er soll Johannes heißen“ – wie der Engel es ihm gesagt hatte. Dann erst löste sich seine Zunge und er konnte wieder sprechen.

Ein Wunder, ein Schrecken – es gibt vieles, was mir die Sprache verschlagen kann. Mich plötzlich verstummen lässt. Dann fällt mir das Reden schwer, ich kann mich anderen nicht öffnen, bin auf mich gewiesen. Keine schöne Situation und schwer auszuhalten auch. Aber es gibt diese Latenzzeiten im Leben, in denen Neues sich Bahn brechen will – und wir können es noch nicht greifen. Es wächst im Verborgenen, unterhalb unserer Sprachschwelle sozusagen. Auch Zacharias hatte viel Zeit zum Nachdenken, bis er auf seine alten Tage neu begriff: Bei Gott ist nichts unmöglich.

Kerze

Und Johannes? Er kündigte die Ankunft eines Anderen an, der größer sein würde als er selbst. Die Ankunft Jesu. Advent: Auf sein Kommen, seine Geburt warten wir. Und wünschen uns wohl manchmal, dass es uns noch einmal die Sprache verschlägt wie zu Kinderzeiten und wir etwas von dem Wunder der Weihnacht erhaschen … Marie übrigens war froh, als ihr Papa wieder geredet hat, ganz normal.

Eine gesegnete Adventszeit!

Ihre

Pfarrerin Sabine Geyer

Sabine Geyer, Pfarrerin an St. Markus