Grüß Gott!

Foto (c) R.Schulz

Grüß Gott und herzlich willkommen auf unserer Homepage!

St. Markus hat viele Gesichter und Menschen, die das Gemeindeleben mitgestalten. Diese Gemeinde mitten im Herzen von München bietet eine große Vielfalt an Begegnungen und Erfahrungen. Dabei gibt es vieles aus dem Leben unserer Kirche zu erzählen. Einmal im Monat stellt sich an dieser Stelle eine Person aus unserem großen Markus-Team mit ihren ganz persönlichen Eindrücken vor.

Link zu den gesammelten Texten.

  


 


BlickHör_._Raum Kunstarealfest 2021
BlickHör_._Raum
Kreatives Wahrnehmen im FreiRaum St. Markus

Liebe Leserinnen und Leser,

eine Tür zum BlickHör_._Raum öffnet ein problemreicher Text, nämlich das Gleichnis vom verlorenen Sohn. Der Zugang erschließt sich, wenn man die Geschichte aus der Perspektive des Vater liest. In der Fremde ist ungewiss, wie er seinem jüngeren Sohn bei dessen Wiederkehr begegnen würde. Auf den Frevel ("Saus und Braus") und die Schande ("Schweinekoben") dürfte ein böser Blick zu erwarten gewesen sein. Sein Unwillen scheint zwischen den Zeilen förmlich greifbar. In seiner emotionalen Begrüßung, die alles Negative - inklusive der ungerechten Konkurrenzsituation, in der sich der ältere Bruder mit guten Gründen erlebt - ausklammert, liegt, von vorne betrachtet, eine Überraschung. Auslöser dieses Ereignisses ist der Blick auf den "Verlorenen" und nun "wieder Lebendigen".
Tummelt man sich in der jüngeren psychoanalytischen Literatur zu Blick und Bildlichkeit, wird die Aktualität dieser Überraschung deutlich. Der sogenannte böse Blick wird dort als ein Rezeptorder menschlichen Psyche verhandelt. Das Gesehen-Werden be-stimmt uns. Blicke sind hungrig, Augen auf steter suche nach einer Weide. Als Subjekte sind wir ihnen unterworfen. Ausweglos, denn auch das Nicht-gesehen-werden ist uns arg.

Wie wohl tut da ein imaginärer Freiraum. Ein Ort, an dem Konkurrenzen ausklammerbar sind, an dem der böse Blick hinter einem freundlichen erlischt. Der befreit zu "Feier", "Musik und Tanz".

Für mich warf das diesjährige Motto des Kunstarealfestes - Blickpunkte - frisches Licht auf unsere Kirchengebäude und stiftete ein Spielfeld für neue Erfahrungen. Für dieses Spiel habe ich mir Zeit gelassen, fotografiert, improvisiert, bin mit Schwung auf Abwege geraten und habe mich von der Erinnerung des ersten Betretens der Markuskirche leiten lassen. Herausgekommen sind gefasste Eindrücke, Fassungen. Als Symbol und Ikone des freundlichen Blickes begleitete mich das alte Bild vom Morgenstern, am stärksten in den drei entstandenen digitalen Choralbearbeitungen. Die imaginären Beziehungen spiegeln sich im Leitmotiv der Spiegelungen auf dem Bildschirm, unter den Tönen und im Text.

Unsere noch niemals so intensiv erlebte digitale Realität im Zuge der Pandemie dürfen für das Spiel nicht verschwiegen werden. Das Smartphone als Körperteil, als omnipräsente digitale Allgegenwart, als Träger von Blicken und als künstlerisches Instrument ist technisch betrachtet das A und O des ganzen Projektes.

Zu einer Erfahrung und zum Erfahrungsaustausch lade ich sehr herzlich ein und danke für Ihre Offenheit und für Ihr Interesse.

 

Christian Seidler, Kirchenmusiker im Praxisjahr

Christian SeidlerKirchenmusiker im Praxisjahr