Grüß Gott!

Foto (c) R.Schulz

Grüß Gott und herzlich willkommen auf unserer Homepage!

St. Markus hat viele Gesichter und Menschen, die das Gemeindeleben mitgestalten. Diese Gemeinde mitten im Herzen von München bietet eine große Vielfalt an Begegnungen und Erfahrungen. Dabei gibt es vieles aus dem Leben unserer Kirche zu erzählen. Einmal im Monat stellt sich an dieser Stelle eine Person aus unserem großen Markus-Team mit ihren ganz persönlichen Eindrücken vor.

Link zu den gesammelten Texten.

  


 

Es ist für mich als Kind immer ein eindrückliches Erlebnis gewesen, wenn unsere Kantorin in der Probe ihre Stimmgabel an den Finger schlug und sie dann an einen Holzstuhl hielt – und der eigentlich leise Klang sich hör- und spürbar im Raum verbreitete. Die Schwingungen der Stimmgabel setzten sich fort: über das Holz, die Luft, das Trommelfell … bis der Impuls über Nervenenden ins Gehirn transportiert und in Klang umgewandelt wird, den wir hören. Dann schwingen sozusagen auch wir mit. Das ist das Geheimnis von Resonanz.

Jahreslosung 2021:

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ (Lukas 6, 36).

Resonanz finde ich auch in der Jahreslosung für das gerade begonnenen Jahr 2021 ausgedrückt. Resonanz in Sachen Barmherzigkeit. Da ist Einer, der ist barmherzig – und diese „Schwingungen“ seiner Barmherzigkeit sollen sich in uns fortsetzen: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ Dass wir „mitklingen, „mitschwingen“, zum Widerhall seiner Barmherzigkeit werden, dazu ruft uns der Vers aus dem Lukasevangelium auf.

Was aber ist das, Barmherzigkeit? Das Wort scheint eindeutig religiöse Implikationen zu haben – es begegnet uns sonst kaum in unserer Alltagssprache. Das Wort „Herz“ steckt darin – und wenn ich das zusammennehme mit dem Begriff der Resonanz, erschließt sich mir schon etwas: Barmherzigkeit heißt dann soviel wie „das Herz berühren“, mich anrühren, damit ich „Schwingungen“, Stimmungen vielleicht auch, aufnehmen kann von (anderen) Menschen. Und dann „Erbarmen“ mit ihnen haben kann – so finden wir es von Gott gesagt – auch Wurzeln dieses Wortes finden sich ja in „Barmherzigkeit“ wieder.

Und es gibt noch einen weiteren spannenden Zugang zu diesem erst einmal sperrigen Wort „Barmherzigkeit“. Denn in der so wunderbar konkreten Sprache des Hebräischen heißt das Wort für Barmherzigkeit „Rachamim“, soviel wie „Mutterschoß“ oder „Gebärmutter“. Das Urbild von Bergen und Geborgenheit kommt nun dazu, die Urerfahrung von uns Menschen ganz am Anfang unseres Lebens, bevor wir das „Licht der Welt erblicken“. Wir alle tragen diese unbewusste und doch so prägende Erfahrung von Geborgenheit in uns, ein Leben lang.

„Barmherzigkeit“ und „Mutterschoß“: beides hilft zum Leben. Beides hat mit Resonanzen zu tun, die wir immer neu und immer wieder spüren: mit unserer Sehnsucht nach dieser einen, ungeteilten und umfassenden Geborgenheit, aber auch mit der Erfahrung von Gottes herzlichem Erbarmen, von seiner Barmherzigkeit – oder unserem eigenen tief im Herzen berührt-Werden durch andere Menschen.

 

Etwas davon habe ich am vergangenen Sonntag im Gottesdienst erlebt. Die Kirche war schon keine „Hirtenkirche“ mehr, mit Heu und Stroh, Krippe und Stall, Weihnachtsbaum und Friedenslicht – all das war schon aufgeräumt und weggepackt.

 

Kummerholz in St. Markus (Foto: Inke Geyer)

 

Kummerholz „ins Gebet genommen“

Nur auf dem Altar, da lag noch das „Kummerholz“: Holzscheite, auf die Menschen geschrieben hatten, was ihnen Kummer gemacht hat und macht. Es hat mich die ganze Zeit über sehr beschäftigt: was Menschen an Leid erfahren und an Nöten aufgeschrieben haben – und dass sie es auf dem Altar zurückgelassen haben, dem Symbolort der Gemeinschaft Gottes mit uns Menschen und von uns Menschen untereinander. Ich konnte diese Holzscheite nicht einfach wegräumen.

Das dreimalige „Angst“ ist mir nachgegangen. Die Erfahrungen von Mobbing, Arbeitslosigkeit und Existenzangst. Das große Thema Corona, die Angst um liebe Menschen, schwere Krankheit und die Folgen. Das Erleben von Traurigkeit, Isolation, Genervtsein, Kummer und Streit. Wieviel muss ein Mensch denn aushalten? war eine Frage. Und: Ich lege hier alles ab, was mir 2020 so schwer gemacht hat. Und mittendrin ein größeres Holzstück, auf das jemand geschrieben hatte: Herr, erbarme dich.

Am Sonntag 10. Januar hat Tilmann Haberer das „Kummerholz“ mit „ins Gebet genommen“: einige Scheite vorgelesen und die Menschen und ihre so ausgedrückte Not in die Fürbitten eingeschlossen. Das „Herr, erbarme dich“ hat die ganze Gemeinde gesprochen. Es klang wie eine vielstimmige Resonanz: von Leid und Not – und Gottes Barmherzigkeit.

 

Kummerholz in St. Markus (Foto: Inke Geyer)

 

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“

Mögen sich Schwingungen von Barmherzigkeit, Erbarmen, Herzlichkeit und Geborgenheit ausbreiten unter uns und eine ganz eigene Form von Nähe schaffen in diesen Zeiten des Lockdown!

Im Namen des Markus-Teams und mit allen guten Wünschen für ein behütetes Jahr des Herrn 2021

 

Pfarrerin Sabine Geyer

Ihre Sabine Geyer