Grüß Gott!

Foto (c) R.Schulz

Grüß Gott und herzlich willkommen auf unserer Homepage!

St. Markus hat viele Gesichter und Menschen, die das Gemeindeleben mitgestalten. Diese Gemeinde mitten im Herzen von München bietet eine große Vielfalt an Begegnungen und Erfahrungen. Dabei gibt es vieles aus dem Leben unserer Kirche zu erzählen. Einmal im Monat stellt sich an dieser Stelle eine Person aus unserem großen Markus-Team mit ihren ganz persönlichen Eindrücken vor.

Link zu den gesammelten Texten.

  


 

„Gott ist gegenwärtig.
Lasset uns anbeten
und in Ehrfurcht vor ihn treten."

Der niederrheinische Laienprediger und Schriftsteller Gerhard Tersteegen war ein Mystiker des reformierten Pietismus. Sein bekanntestes Kirchenlied „Gott ist gegenwärtig" stammt aus der Sammlung „Geistliches Blumengärtlein inniger Seelen", das im Jahr 1729 veröffentlicht wurde. Die wunderbar schwebende Melodie ist bereits 1680 entstanden: Joachim Neander unterlegte mit ihr das Lied „Wunderbarer König". Sie passt perfekt zum Inhalt des Teerstegen-Liedes, das man sowohl im Evangelischen Gesangbuch (Nr. 165) als auch im Gotteslob (Nr. 387) finden kann.

„Luft, die alles füllet,
drin wir immer schweben,
aller Dinge Grund und Leben."

Es ist eine der ungeheuerlichsten Erfahrungen, die ein Mensch machen kann: Gott lebte nicht vor langer Zeit, oder kommt irgendwann einmal, um in Zukunft das Weltgericht zu halten. Gott ist auch niemand, die man nur an ganz bestimmten Orten oder in ganz bestimmten Momenten finden kann. Nein: Gott ist gegenwärtig! Ungeheuerlich, denn wenn Gott gegenwärtig ist, bedeutet das im Umkehrschluss auch: Die Gegenwart ist göttlich.

Wie viel Zeit am Tag verbringen wir in dieser göttlichen Gegenwart? Also ich meine, in vollem Bewusstsein des Augenblicks. Nicht, wenn wir beim Autofahren, beim Warten in der Schlange oder an der Ampel, vielleicht auch beim Essen bereits an das nächste Meeting oder an die bevorstehenden Erledigungen denken. Nicht, wenn wir mit den Gedanken in der Vergangenheit oder bei vielleicht zukünftig eintretenden Ereignissen sind. Überlegen Sie mal... Bei kleinen Kindern ist das oft noch ganz anders, weshalb Jesus empfiehlt: Werdet wie die Kinder, dann werdet ihr das Reich Gottes kennenlernen. (frei nach Matth 18,3)

Ein Rabbi wurde einmal gefragt, warum er trotz seiner vielen Beschäftigungen immer so entspannt und gelassen sein könne. Er sagte: "Wenn ich stehe, dann stehe ich, wenn ich gehe, dann gehe ich, wenn ich sitze, dann sitze ich, wenn ich esse, dann esse ich, wenn ich liebe, dann liebe ich..."

„Wie die zarten Blumen willig sich entfalten und der Sonne stille halten,
lass mich so still und froh deine Strahlen fassen und dich wirken lassen."

Was bringt uns Erwachsene in die Gegenwart? Die Gedanken alleine sind es nicht: zu oft driften sie ab und bringen uns weg vom Augenblick. Wenn wir unseren Atem spüren, auf das Vogelgezwitscher hören, uns an aktiver Bewegung erfreuen, kommen wir an. Im Hier und Jetzt. Bei Gott. „Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist. Wohl dem, der auf ihn trauet" (Ps. 34,9)

Meister Eckhart wurde einmal gefragt, welches die wichtigste Stunde sei, die der Mensch erlebt, welches der bedeutendste Mensch, der ihm begegnet, und welches das notwendigste Werk sei. Die Antwort lautete: „Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart, der bedeutendste Mensch immer der, der dir gerade gegenübersteht, und das notwendigste Werk ist immer die Liebe."

Kantor Michael Roth

Michael Roth
Kantor an St. Markus