Stadtdekanin Barbara Kittelberger verabschiedet sich

Stadtdekanin Barbara Kittelberger„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“ (2. Tim. 1,7).

Ein aufmunternder Indikativ und eine bestärkende Zusage liegen in diesem Wort, das wir in diesen Tagen häufig hören. Für mich war es in den vergangenen 16 Jahren Leitsatz
und Ansporn zugleich. Am 1. September 2004 trat ich als erste Frau das Amt der Stadtdekanin an. Ich sah in all den Jahren meine Aufgabe darin, gemeinsam mit Kolleg*innen sowie Vertreter*innen aus den Kirchenvorständen, den Synoden und anderen Gremien die evangelische Kirche in der Region München zu gestalten und gemeinsam „der Stadt Bestes“ zu suchen. Statt Furcht braucht es dabei Kraft, Liebe und Besonnenheit.

Mit Selbstvertrauen und Gottvertrauen stellten und stellen wir uns den Herausforderungen und Aufgaben, die gestern, heute und morgen zu bewältigen waren und sind.

Dazu braucht es zuweilen den Mut, sich einzumischen, die Kraft, öffentlich Farbe zu bekennen, und die Klugheit, zwischen Wesentlichem und Unwesentlichem zu unterscheiden.

In den vergangenen 16 Jahren ist dies gelungen. Wir sind als evangelische Kirche in der Region München eine kraftvolle Initiatorin und verlässliche Partnerin. Das Gebot der Nächstenliebe und die Bergpredigt Jesu waren und sind dabei leitend. So wurden aus Initiativen feste Bestandteile des öffentlichen Lebens, beispielsweise die Gründung des „Rates der Religionen“, die Mitarbeit im „Münchner Bündnis für Toleranz, Demokratie und Rechtstaatlichkeit“, mit dem wir für elementare Grundrechte jeder Person unabhängig von Herkunft, Geschlecht und sexueller Orientierung eintreten. Es war mir immer ein Herzensanliegen, meine Stimme dort deutlich und kraftvoll zu erheben, wo Worte eine Haltung verraten, vor allem wenn es um Abwertung und Ausgrenzung von Juden, Muslimen, Sinti und Roma oder auch von alten Menschen sowie Menschen mit und ohne Behinderung oder von Homosexuellen und Diversen geht.

Unsere öffentliche Rede speist sich aus der Haltung der Liebe und Besonnenheit. Liebe ist die Bereitschaft „alles zum Besten kehren“, wie es in der Auslegung Martin Luthers zum 8. Gebot heißt.

Zur Liebe gehört auch der Perspektivwechsel, wie es eine indianische Weisheit besagt: „Gehe hundert Schritte in den Schuhen eines anderen, wenn du ihn verstehen willst“.

Mit dieser Haltung haben wir Prozesse in Gang gesetzt und mit Geduld vorangebracht. Der Immobilienstrategieprozess im Dekanatsbezirk, der seit 2007 intensiv vorangetrieben wurde und bis heute seine Wirkung entfaltet, ist ein gutes Beispiel für das vertrauensvolle Miteinander. Zuweilen waren gefällte Entscheidungen auch schmerzlich, wenn Dienste geschlossen werden mussten oder Gemeindeprojekte nicht realisiert werden konnten. Solidarität und Selbstbeschränkung, wie wir sie in diesen Tagen mühsam austarieren müssen, waren immer wieder ein Prüfstein für das richtige Handeln.

Ehrenamtlich und hauptamtlich sind Verantwortliche in Gremien und Synoden, in den Kirchengemeinden und Diensten im Dekanatsbezirk mit großem Einsatz unterwegs. Das Ringen um Profil und Konzentration, das verlässliche Haushalten und die Weitergabe des Evangeliums waren und sind die Eckpfeiler des Handelns. In allen Jahren haben wir mutig Entscheidungen getroffen, manches selbstkritisch hinterfragen müssen und in laufenden Prozessen neu bewerten gelernt. Diese Art der Besonnenheit, des geschwisterlichen Miteinanders, hat die Arbeit leicht gemacht - bei aller Schwere und manchen Rückschlägen.

Das lebendige Miteinander in diesem Dekanatsbezirk atmet den Geist der Freiheit. Gemeindefeste, der „Kreis der Religionen“ auf dem Corso Leopoldo, der Gottesdienst an den Stufen der Lukaskirche beim Isar Inselfest, Projekte wie die artionale oder die Cantionale sind sichtbare Zeichen der Fröhlichkeit, der Hoffnung und der gegenseitigen Achtung.
Wenn ich nun am 31. Juli 2020 meinen Dienst beende, tue ich dies voller Dank. Ein herzliches Dankeschön allen, mit denen ich gemeinsam unsere evangelische Kirche in der Region München fast 16 Jahre gestalten durfte. Ich bedanke mich für alles Mittragen auch in schweren Zeiten, für Gebete und Gedanken, die mich getragen und gestützt haben.

Der Evangelisch-Lutherische Dekanatsbezirk München ist aller Mühe wert. Es war mir eine Ehre, hier als erste Frau gewählt und berufen zu sein.

Gerne hätte ich mich von Ihnen persönlich verabschiedet und persönliche Worte gewechselt. Die Corona-Krise und die damit verbundenen Einschränkungen erlauben das nicht. Ich bitte deshalb um Verständnis, wenn nicht alle am 12. Juli 2020 zum Gottesdienst anlässlich meiner Verabschiedung oder zum musikalischen Ausklang am Abend dabei sein können. Beide Veranstaltungen können Sie leider nur mit einer persönlichen Einladung besuchen. 

„Ausgang und Eingang, Anfang und Ende, liegen bei Dir, Herr, füll du uns die Hände.“

Ich bedanke mich für alles Vertrauen und alle Unterstützung in meinem Amt als Stadtdekanin. 

In herzlicher Verbundenheit,
Gott befohlen

Ihre Barbara Kittelberger
Stadtdekanin

 

LIVE! LIVE! LIVE! Sonntag, 12. Juli 2020, 15.00 Uhr: Abschiedsgottesdienst von Stadtdekanin Barbara Kittelberger

 

Die Predigt können Sie hier herunterladen: 20200712_LK5_1-11_Abschied_Kittelberger.pdf